Grundgedanke

Jeder von uns hat irgendwann schon einmal versucht, etwas in seinem Geist zu verändern. Wann haben Sie das letzte Mal versucht, sich einen Gedanken aus dem Kopf zu schlagen, eine Gewohnheit abzulegen oder ein unangenehmes Ge­fühl zu überwinden? Ob es sich um Mangel an Motivation handelte, um Jähzorn, um ein Gefühl der Isolation oder einfach um den Wunsch, erfolgreicher zu sein, in gewissen Situationen wünschen wir alle uns, anders zu sein, als wir sind. Wir alle haben uns schon viele Male Veränderungen herbeigewünscht.

Vielleicht haben Sie sich sogar schon einmal bewusst vorgenommen, sich zu verändern, dies in einer schriftlichen Erklärung festgehalten und ein paar engen Freunden von Ihrem Vorhaben erzählt. Sie haben sich dann vielleicht ein paar Bücher oder Bandaufnahmen zum betreffenden Thema besorgt oder sich mögli­cherweise sogar einem Club angeschlossen, der sich dem Erreichen des betreffen­den Ziels widmete. Ein paar Monate später haben Sie die Bücher zur Hälfte gele­sen, die Bänder liegen irgendwo in einer Ecke, und Ihre Freunde, falls es wirklich Freunde sind, sind so höflich, das Thema nicht mehr zur Sprache zu bringen. Wenn Ihre Erfahrungen den unseren auch nur entfernt ähneln, werden auch Sie trotz aller guten Vorsätze und trotz des echten Bedürfnisses, sich zu verändern, immer noch in Ihren alten Gewohnheiten gefangen sein.

 

Vielleicht haben Sie aber auch brillante Erfolge gehabt und sogar Ihre Ziele erreicht - um dann mit hilflosem Entsetzen mit ansehen zu müssen, wie sich das Erreichte mit erstaunlicher Zielsicherheit wieder zu seinem Ausgangspunkt zu­rückentwickelte. Viele Menschen haben bei dem Versuch, abzunehmen oder ihre Lebensweise zu verändern, solche Erfahrungen gemacht. Noch beleidigender als der Misserfolg selbst erscheint in solchen Situationen, dass nicht einmal eine Ver­dopplung der Bemühungen etwas Positives bewirkt, sondern der Erfolg um so weiter wegrückt, je ernsthafter man sich bemüht, das gesteckte Ziel zu erreichen.

 

Einem Teil von uns ist klar, dass diese Tendenz allem widerspricht, was die Welt, in der wir alle leben, uns tagtäglich vor Augen führt. Um uns herum finden unablässig und mit atemberaubender Geschwindigkeit Veränderungen statt. Tag­täglich sehen wir mit an, wie neue Produkte alte in immer schnelleren Zyklen ablösen und überflüssig machen. Unsere Kinder spielen mit Videospielen, die wir kaum verstehen. Wir müssen Zusatzausbildungen machen, nur um die Arbeit, die wir seit vielen Jahren verrichten, weiterhin tun zu können. Wir hören immer wieder, dass Veränderung die einzige Konstante im Leben ist, dass sie allgegenwär­tig ist. Wir sehen dies und glauben dies - bis wir versuchen, uns selbst zu ver­ändern. Wir fragen uns, wieso das, was wir überall sehen, dann plötzlich nicht zu gelten scheint. Liegt es an uns? Ist es wirklich so schwierig, zu verändern, was wir verändern wollen?

 

Wenn Sie einen Augenblick innehalten und Ihr Leben aus einer etwas anderen Perspektive anschauen würden, würden Sie erkennen, dass Sie sich ständig ver­ändert haben und dies auch jetzt ständig tun. Schließlich waren Sie einmal ein Baby, das nur wenige Pfund wog. Dann wuchsen Sie zum Kind heran, dann zum Teenager, und jetzt sind Sie erwachsen. Ihr physischer Körper hat sich auf deut­lich erkennbare und auch auf subtilere Weise Jahr für Jahr verändert, ob Ihnen dies recht war oder nicht. Sie mochten einmal Erdnussbutter, Bonbons, Puppen oder Motorräder oder irgendetwas anderes mehr als alles andere auf der Welt. Und selbst wenn Sie die betreffende Sache immer noch mögen, sind mittlerweile andere Dinge, von denen Sie nie geglaubt hatten, dass sie Ihnen einmal wichtig sein würden, tatsächlich wichtiger für Sie geworden. Im Laufe der Jahre haben sich Ihre Interessen von Fahrrädern über Freitagsabends-Ausgehen nach und nach auf alle möglichen anderen Dinge verlagert. Selbst in neuester Zeit haben Sie ge­wisse Dinge problemlos verändert - die Art von Veränderungen, über die Sie nicht einmal nachgedacht haben, bei denen Sie plötzlich entdecken, dass Sie etwas anders machen als vorher. Sie haben plötzlich aufgehört, bestimmte Dinge zu essen oder sich auf eine bestimmte Weise zu kleiden. Vielleicht haben Sie auch plötzlich ein neues Interesse oder ein Hobby entwickelt. Sie haben sich nichts dabei gedacht. Erst Ihre Freunde haben Sie darauf aufmerksam gemacht, dass et­was anders ist. »Ach ja«, haben Sie dann geantwortet, »ich habe es mir anders überlegt.«

 

Jede wirklich effektive Methode der Veränderung muss einerseits erklären kön­nen, warum es uns manchmal so unglaublich schwer fällt, uns zu verändern, und uns andererseits zeigen, wie wir jene absolute Leichtigkeit für uns nutzen können, mit der wir uns manchmal verändern, ohne dies Bewusst zu wollen. Denn wenn Sie einmal darüber nachdenken, werden Sie bestätigen, dass Veränderungen prak­tisch nie lange Zeit benötigen. Sie vollziehen sich gewöhnlich in einem einzigen Augenblick. Vielleicht sind Sie immer nervös gewesen, wenn Sie vor Gruppen standen, und dann sind Sie eines Tages aufgestanden, und jede Spur von Nervosi­tät war verflogen. Oder Sie haben jahrelang vor dem Fernsehen gesessen und dann plötzlich beschlossen, stattdessen einen Spaziergang zu machen oder Sport zu treiben. Plötzlich nehmen Sie sich die Zeit, wieder zur Schule zu gehen, oder geben sich besondere Mühe, eine wichtige Stufe Ihrer beruflichen Karriere zu erreichen. Irgendwann merken Sie dann, dass sich etwas verändert hat.

 

Wenn Sie wissen, wie man etwas macht, müsste es Ihnen eigentlich leicht fallen, die betreffende Sache zu tun. Sie empfinden es ja auch nicht als befremdlich, wenn Ihr Auto sofort anspringt, nachdem Sie den Zündschlüssel gedreht haben, oder wenn Ihre Fernbedienung genau den Fernsehkanal einschaltet, den Sie sehen wol­len. So betrachtet kann man es fast als eine typisch menschliche Perversität be­zeichnen, dass wir dazu angehalten werden, die Bedeutung einer persönlichen Veränderung am Ausmaß der Schwierigkeiten, des Leidens und des erforderlichen Zeitaufwandes zu messen. Diese Haltung versucht zu untermauern, dass sich ohne Leiden und Mühe nichts Wertvolles erreichen lässt (»No pain, no gain«). Als ob alles, was in unserem Leben schmerzhaft war, eine positive Errungenschaft gewe­sen wäre! Wenn wirklich da, wo viel Schmerz ist, auch mehr Positives zu finden wäre als anderswo, würden wir Schmerz wohl geradezu suchen, statt ihn zu mei­den. Wenn langwierige Kämpfe und großes Leiden der Königsweg zum Erfolg wären, würden wir immer noch zu Fuß zur Arbeit gehen, nach wie vor mit Blei­stiften schreiben und die Pferdebahn benutzen. Schmerz zeigt an, dass der Zeit­punkt für eine Veränderung gekommen ist. Wenn unsere Hände eine heiße Fläche berühren, ziehen wir sie augenblicklich zurück. Schmerz zeigt uns, dass wir nicht die geeignete Methode benutzen und dass wir etwas anders machen müssen als bisher. Langwierige Kämpfe ohne jeglichen Erfolg zeigen an, dass unsere Vor­gehensweise ihren Zweck nicht erfüllt. Es wird dann Zeit, etwas anderes auszu­probieren, irgendetwas anderes. Schmerz, Kampf, Leiden und Warten zeigen an, dass wir mit einer anderen Methode als bisher an die Dinge herangehen müssen. Diese Dinge haben mit dem Veränderungsprozess selbst nichts zu tun, und man kann sich schnell davon befreien.
Quelle: Praxiskurs NLP

Grundannahmen
 
Die Ressourcen und Fähigkeiten, die ein Mensch zur Veränderung braucht, sind als Potential in ihm selbst bereits vorhanden.

Wenn ein Mensch etwas lernen und tun kann, kann es - im Rahmen biologischer Grenzen - potentiell auch jeder andere.